Die Bibel

"Die Bibel" - ist es Blasphemie, den Titel dieses Bestsellers zu verwenden? Nun, mag sein. Ja, wahrscheinlich. Mit Sicherheit sogar. Aber was solls? Immerhin war ich konsequent genug, den Ruhm dieses literarischen Blockbusters zu nutzen, und die seit Jahren fälligen Fortsetzungen zu liefern: "Die Bibel 2: Jesus Christus schlägt zurück" und "Die Bibel 3: Unser Gott ist der Beste" - was wahrscheinlich jede Religion von sich behauptet und was wohl inzwischen zu unzähligen Toten geführt hat, aaaaaaaaber aus diesem Grund haben die in allen Bänden enthaltenen Geschichten so gut wie gar nichts mit Religion zu tun!

Was Sie hier lesen können sind übrigens nur einige Geschichten aus diesen Kurzgeschichtensammlungen. Wenn Sie sie vollständig lesen - oder gar veröffentlichen! - wollen, wenn Sie mir sagen wollen, daß Sie solchen Schmutz seit der Desinfizierung Ihres Badezimmers nicht mehr gesehen haben oder mir unsittliche Anträge machen wollen, können Sie das bei der Fanpost tun.

Bis dahin wünsche ich Ihnen viel Vergnügen beim Lesen - oder, wenn Sie nicht können, beim Vorlesen lassen. Guten Apetit!

Was wäre wenn?

Geräusch

Die Zukunft ist der Roboter

Freiheit und Sicherheit

Von Kant zu Kant

Publikumskritik

Nur Liebe wäret ewiglich

Fensterblicke?

Wer Sucht Der Findet

Ein Wort des Verfassers

 

© by Martin "PeeWee" Cordemann

Alle Rechte liegen beim Autor

 

Was wäre wenn?

Im Religionsunterricht stellte Lehrer Kelly eine höchst interessante Theorie auf. Es ging um das Thema Jesus, ob es sich wohl bei diesen Bibelgeschichten um die Wahrheit handele. Kelly verlor sich in der Idee, daß man mit Hilfe einer Zeitmaschine feststellen könne, wie es nun wirklich gewesen sei. Bei dieser Diskussion kam man dann, wie es sich auch gehörte, auf die Gefahren einer solchen Zeitreise zu sprechen.

"Natürlich darf man nichts unternehmen, was die Geschichte verändern könnte", erklärte Kelly seinen Schülern. "Laßt uns mal überlegen, was passieren würde, wenn wir zum Beispiel Judas daran hindern würden, Jesus zu verraten. Was würde dann passieren? Ja, Peter?"

"Jesus hätte länger gelebt. Es gäbe keine Auferstehung."

"Richtig. Oder sie würde zeitlich verschoben, daß sie mit den uns aus der Bibel bekannten Daten nicht mehr übereinstimmen würde. Sonst noch was? Vielleicht von dir, Allen? Du hast, seit wir über Jesus sprechen, noch kein Wort zu diesem Thema gesagt, interessiert es dich vielleicht nicht?"

Der Angesprochene hob den Kopf und sagte mürrisch: "Der ganze Kult, den es um Jesus gibt wäre wahrscheinlich nicht mehr vorhanden, bzw. er wäre nie entstanden!"

Kelly war über die Ausdrucksweise und den Inhalt dieser Antwort zutiefst bestürzt. Du bezeichnest Jesus als eine Art Kultfigur, um die ein zu großer Wirbel gemacht wird, wenn ich dich richtig verstanden habe. Denkst du vielleicht dabei an eine Art Sektenheiligen?" Kellys Frage klang ungläubig.

Allen nickte. "Richtig. So könnte man es bezeichnen!"

"Naja, es ist deine persönliche Meinung und die kann ich dir auch als Religionslehrer nicht ausreden." Kelly blätterte, um sich abzulenken, in seinen Unterlagen. Dann fuhr er fort: "Nun aber weiter. Was würde denn passieren, wenn wir zum letzten Abendmahl erscheinen, ja, sogar daran teilnehmen würden?"

"Es würde die Geschichte vollkommen verändern", meldete sich Peter zu Wort.

"Statt nur der zwölf Jünger wären auch noch Menschen aus der Zukunft anwesend! Wir!"

"Richtig, gut. Ich meine natürlich, auf deine Antwort bezogen, denn gut wäre es ja weiß Gott nicht!"

"Der wird es wohl wissen!"

"BItte? Hmm, ja. Da sich die Stunde auf ihr Ende zubewegt, möchte ich euch bitten, euch zu Hause darüber Gedanken zu machen, was ihr tun, bzw. was passieren würde, wenn ihr mit einer Zeitmaschine in eben erwähnte Zeit reisen und euch dort aufhalten würdet."

"Mündlich?"

"Schriftlich!"

"Mmh!!!"

In der darauffolgenden Religionsstunde wurden dann einige Ergebnisse von Schülern vorgetragen. So zum Beispiel schrieb Peter, daß er daraus eine wissenschaftliche Mission gemacht hätte, die sich mit den Geschehnissen der Bibel und der Wirklichkeit dieser Zeit auseinanderzusetzen habe.

Als letzten nahm Kelly Allen mit den Worten: "Nachdem ich ja deine Einstellung zu diesem Thema kenne, interessiert es mich, was du wohl machen würdest." dran.

"Nachdem ich mit meiner Zeitmaschine den Raum-Zeit-Sprung von Fresno, Kalifornien, USA nach Bethlehem zurück ungefähr ins Jahr Null gemacht habe, werde ich dafür sorgen, daß es nie zu diesem Jesus-Mythos kommen soll. Ich werde dies tun, indem ich die 'Heilige Familie' ausrotte!"

Allen las dies mit einer Überzeugung vor, die Kelly einen Schauer über den Rücken laufen ließ. Hatte er richtig gehört? Nicht allein der Inhalt, der schon grausig genug war, ließ ihn stocken. Es war die Art und Weise, in der der Text geschrieben war, die ihn stutzig machte. Fast klang es so, als habe der Junge die feste Absicht, das Vorgelesene zu verwirklichen. Und auch wie er es vorgetragen hatte, unterstütze diesen Verdacht. Es war wirklich sehr seltsam... Kelly dankte dem Herrn, daß es keine Zeitmaschinen gab.

Das alles geschah vor zwölf Jahren, 1984. Die Zeiten haben sich seitdem geändert. Kelly ist pensioniert und führt auch sonst ein ruhiges Leben. Die Schulstunde, von der im vorangegangenen Absatz berichtet worden ist, hat er in sein Unterbewußtsein verdrängt. Doch er soll sich ihrer bald wieder erinnern.

Allens Haß auf Jesus ist noch nicht abgeflacht. Noch immer würde er nichts tun, das Jesus Popularität in irgendeiner Weise steigern könnte. Manche Dinge ändern sich nie! Doch auch seine Erinnerung an die erwähnte Schulstunde und seinen Aufsatz sollte bald wieder aufgefrischt werden.

In diesem Jahr, 1996, wurde die erste Zeitmaschine erfunden. Als Allen davon erfuhr, beschloß er, sie für seine Zwecke zu entführen. Die Maschine war perfekt: man konnte sogar die räumliche Distanz zu seinem Zielgebiet überwinden, und zwar, indem man flog. Allens Plan, die Maschine zu stehlen, gelang, was er jedoch nur seiner Besessenheit zu verdanken hatte. Vorausgreifend soll hier erwähnt werden, daß Kelly, als der Name des Entführers in den Medien bekanntgegeben wurde, schlagartig die Erinnerung überkam. Und mit ihr die Erkenntnis. Er wußte genau, was Allen vorhatte. Er wußte es seit zwölf Jahren. Und er konnte nichts dagegen tun. Er war machtlos...

Allen beging zu seinem Pech einen großen Fehler: er glaubte, die Maschine bedienen zu können. Bis zu einem gewissen Punkt war er auch in der Lage dazu. Die Zeit, in der er erschien war genau richtig gewählt. Es war natürlich nicht der 24.12.0, aber er war immerhin nahe genug an diesem Zeitpunkt, von dem man mit der Zählung neu begonnen hatte. Und wie es der Zufall wollte, kursierten in der Gegend, in der er ankam, gerade Gerüchte über die Ankunft eines Königs oder soetwas, und auch eine Volkszählung war gerade im Gange, kein Wunder also, daß die Hotels voll ausgebucht waren. Als er in diese Zeit eintauchte, stellte Allen fest, daß die Zeitmaschine noch nicht so ganz ausgereift war. Sie begann unter der starken Belastung einer Überbrückung von fast zweitausend Jahren und einer ebenfalls nicht unbeträchtlichen Wegstrecke zu brennen. Er verlor die Kontrolle und sie stürzte ab. Irrtümlicherweise wurde sie für einen Kometen gehalten, der drei Könige und einige andere Schaulustige zu einer Krippe führte. So begann die Geschichte um einen Mann namens Jesus.

 

© by Martin "PeeWee" Cordemann 1986

 

Geräusch

Es war ein blöder Tag gewesen. Die Schule war ihm gehörig auf die Nerven gegangen und er war nun todmüde. So gegen vier war es jetzt und er lag auf seinem Bett und döste vor sich hin. Sein Mund war trocken und seine Wange schmiegte sich an das Kopfkissen.

Dann hörte er es. Wasser lief. Jemand ließ sich gerade Wasser in die Badewanne laufen - sein Vater wahrscheinlich. Er stellte sich vor, wie er...

Moment, wie lange lief das Wasser nun schon? Zwei Stunden, drei, oder vier? Seine Uhr zeigte 19.27 Uhr an. Er fuhr aus seinem Bett hoch und war sofort hellwach.

Warum lief das Wasser so lange? Jemand sollte es doch abstellen. Sein Vater, genau. Aber wo war sein Vater?

Er stand ruckartig auf und lief aus dem Zimmer. Die Tür zum Badezimmer war geschlossen, aber er konnte das Geräusch des einlaufenden Wassers hören. Ansonsten war es in der Wohnung still.

Es war überhaupt sehr still. Eigentlich war es still! Man hörte keine Autos, keine Kinder und nicht einmal den Wind hörte man. Man hörte keine Geräusche. Bis auf das Einlaufen des Wassers. Verwirrt trat er an ein Fenster und sah hinaus. Die Landschaft war größtenteils verwüstet, überall lagen Trümmer. Hatten sie also doch Ernst gemacht. Es mußte einen Angriff gegeben haben. Alle waren an der Strahlung und/oder dem Druck gestorben. Nur er nicht. Es war schon seltsam, aber nun konnte er sich die Anomalie, die der Arzt vor zwei Jahren bei ihm festgestellt hatte, erklären. Er schien also für Strahlen nicht oder langsamer anfällig zu sein als die anderen. Seine Eltern zum Beispiel. Glücklicherweise hatte ihr Haus den Nuklearschlag weitgehend überlebt. Wenigstens etwas.

Nun war er allein. Der einzige Mensch wahrscheinlich.

Was konnte er tun?

Er hörte das Wasser laufen.

Ja, das konnte er erst einmal abstellen.

Würde er in dieser strahlenverseuchten Welt (über)leben können?

Er öffnete die Badezimmertür. Wasser ströhmte ihm entgegen. Verseuchtes Wasser.

Vielleicht war es auch in dieser Gegend ein chemischer Krieg gewesen und die Toten hatten sich aufgelöst oder soetwas. Dann bestand für ihn noch eine geringe Überlebenschance. Also war er auch gegen diese Chemie immun!?

Er drehte den Hahn zu und nun war es ganz still.

Nicht einmal der Wind blies und auch keine Menschen waren zu hören.

Was hatten die nur für einen Krieg geführt? Naja, wenigstens lautlos war er gewesen. So sieht also die Zukunft der Welt aus, Verzeihung, hört sie sich an.

Er hatte hier genug Zeit verbracht, wenn es kein Mädchen gab, das auch immun war, sah er keine große Chancen für ein Weiterbestehen der Menschheit. (Hoffentlich war sie dann wenigstens hübsch.) Als er das Badezimmer verlassen wollte, glitt er auf dem feuchten Boden aus und fiel in die Wanne...

Er fuhr hoch.

Oh Gott. Er hatte nur geträumt. Er war froh darüber. Sein Kopfkissen war feucht, sein Mund trocken und er zitterte.

Er sah auf die Uhr. Halb sechs. Vor ca. zweieinhalb Stunden hatte er sich ins Bett gelegt.

Müde und froh streckte er sich aus, um den Alptraum zu verdauen - und hörte, wie das Wasser immernoch in die Wanne lief.

 

© by Martin "PeeWee" Cordemann 1988

 

Die Zukunft ist der Roboter

Der Präsident des Rates der Regierung des Planeten Erde bat um die Aufmerksamkeit der Senatoren. Wie in der Tagesordnung für die heutige Sitzung zu lesen stand, stellte er eine wichtige, für den Fortbestand des Planeten eminent dringliche Frage zur Diskussion. Er erhob sich mit einer Agilität, die man von einem Mann seines Alters nicht mehr erwartet haben würde und trat ans Rednerpult.

"Meine Damen und Herren, liebe Anwesende, ich freue mich, Sie hier begrüßen zu können. Wie Sie aus Ihren Unterlagen ersehen können, geht es um die Frage, inwieweit man Roboter und Androiden zum Wohle dieses Planeten in die Bevölkerung eingliedern sollte." Stimmgemurmel im Saal. "Wie wir alle wissen", fuhr er fort, "steuern wir langsam aber unaufhaltsam auf eine Krise zu, die in spätestens 12 Jahren, und diese Schätzung ist sehr optimistisch, meine Damen und Herren, zur Ausrottung aller Kleinstlebewesen führen wird, was den daraus resultierenden Tod aller anderen Arten, uns eingeschlossen, zur Folge haben wird. Dieses Problem entsteht, was unsere Studien bewiesen haben, nur durch den Konsum und den Lebensstil, den wir als zivilisierte Menschen glauben genießen zu müssen, durch unser Streben nach Geld, nach Gewinn, koste es was es wolle. Doch das ist falsch, meine Damen und Herren, denn es zerstört den Raum, an den wir gebunden sind!"

"Und welchen Sinn hätte es dann, Roboter zu integrieren?" unterbrach ein Zwischenruf.

"Sehr einfach: zum einen werden wir in der Lage sein, die Bevölkerungszahlen durch Geburtenkontrollen immer weiter zu senken, so daß die Bevölkerung auf einem niedrigen, für die Ressourcen des Planeten akzeptablen Stand gehalten werden kann. Viel wichtiger ist aber, daß die Roboter und Androiden die Arbeiten der Menschen übernehmen können, was bedeutet, daß alles zum Erhalt der Menschheit getan wird, aber dafür nichts und niemand ausgebeutet werden muß, denn Roboter streben nicht nach Geld und Macht. Wir wären an dem Standpunkt, an dem jeder bekommt, was er braucht, aber niemand um seine Existenz fürchten muß. Verstehen Sie, meine Damen und Herren, wenn niemand für seinen Lebensunterhalt arbeiten, ja, kämpfen muß, aber dennoch jeder das bekommt, was er braucht, gibt es keine Grundlage mehr dafür, aus Profitgier die Produktion in die Höhe zu treiben und die Natur über Gebür auszubeuten. Darüberhinaus produzieren Maschinen keine Abfallprodukte, die die Umwelt vernichten, so, wie es der Mensch zur Zeit tut. Und sie brauchen nicht mehr, als hin und wieder eine Aufladung ihrer Akkumulatoren. Sehen Sie nicht, daß dies der einzige Weg zu einer Gesellschaft von Freiheit und Gleichberechtigung und zur Rettung dieses Planeten ist? Ich sehe auf einigen Gesichtern Furcht, aber ich kann Ihnen versichern, daß Roboter gar nicht in der Lage sind, Menschen Schaden zuzufügen, im Gegenteil, denn wie den Tieren ist ihnen jegliche Gewinnsucht fremd. Deshalb sage ich, schafft der Maschine einen Platz in der Gesellschaft. Wir müssen lernen, sie zu akzeptieren - schon um dieser Welt eine Möglichkeit zur Regeneration zu geben. Das sind wir ihr schuldig!"

Der Präsident hatte sehr engagiert gesprochen und dadurch viele Ratsmitglieder überzeugt.

Lächelnd saß er nach seiner Rede in seinem Umkleideraum, wo er voll Vergnügen das Ergebnis der Abstimmung abwartete. Sein Vorschlag war angenommen worden. Das ermächtigte ihn dazu, seinen Plan auszuführen, der diesen Planeten retten würde - eine Robotergesellschaft! Nachdem er seine Dankesrede vorbereitet hatte, stellte er fest, daß er dringend seinen Akkumulator aufladen mußte.

 

© by Martin "PeeWee" Cordemann 1989/93

 

Freiheit und Sicherheit

Sytrix blickte sich wütend um. Niemand verstand ihn. Niemand in der ganzen verdammten Kolonie. Es wurde ihm zuviel, den Leuten immer Gründe dafür zu nennen, warum er sich lieber den Geisteswissenschaften widmete, als ständig zu arbeiten. Sicher, der Staat erwartete, daß man arbeitete, aber der Staat war nicht alles. Natürlich wußte der Staat, daß es auch noch andere vernunftbegabte Rassen gab, nur war es eben schwierig, mit ihnen in Verbindung zu treten, solange sie sich noch in einem Stadium der Entwicklung befanden. Man mußte warten, bis sie bereit waren, einander zu akzeptieren, dann konnte man vielleicht zu Verhandlungen schreiten.

Es ärgerte Sytrix, daß der Staat wahrscheinlich recht hatte. Doch es ärgerte ihn noch mehr, daß man ihm, der er sich für einen Freidenker hielt, jede sich bietende Gelegenheit seine Gaben zu entwickeln brutal verbaute. Deshalb hatte er einen für sich wichtigen Entschluß gefaßt. Er würde gehen. Warum sollte er in diesem Staat ver-sauern, nur weil es sicher war? Nein! Die Sicherheit allein war nicht alles. Welcher große Abenteurer hatte sich von der Gefahr abschrecken lassen? Bernx? Klurmy? Deloure? Nein, die Gefahr zog große Abenteurer doch erst an. Vielleicht würde auch er so berühmt werden. Vielleicht würde man auch von ihm in milligen von Pylagen als einem Helden sprechen? Von diesem Gedanken beflügelt machte sich Sytrix auf den Weg, sich, bevor er ging, noch von seinen Freunden zu verabschieden. Sie hatten gerade damit zu tun, Nahrungsmittel in die Wohneinheit zu schaffen. In ausschweifenden Worten erklärte ihnen Sytrix, daß es für ihn zu eng geworden war in dieser Welt und daß er auf seinen eigenen sechs Füßen stehen wollte. Den beiden kamen fast die Fühler raus vor Neid auf seinen Mut und seinen Unternehmungsgeist. Sytrix nickte ihnen noch einmal zu, machte eine hochtrabende Bemerkung über die langweilige Sicherheit des Staates, schlug ihre Warnungen zur Vorsicht in den Wind und verließ seine gewohnte Umgebung.

Draußen, außerhalb des Zentrums des Lebens, weit ab vom Staat, sah er sich befriedigt um. Er war noch nie alleine so weit von der Sicherheit der Kolonie entfernt gewesen. Mit einem Gefühl des Glücks und der Freiheit sah er sich in dieser fremden und doch immer so nahe gewesenen Welt um.

Freiheit, dachte er und setzte seinen Weg in die Richtung, die er gerade frei gewählt hatte, fort. Noch bevor er sich einen Kilometer bewegt hatte, starb er.

"Was hast du denn?" fragte das kleine Mädchen.

Der kleine Junge wischte sich mit der Hand den Fuß ab und schaute auf. "Nichts", sagte er, "nur eine Ameise."

 

© by Martin "PeeWee" Cordemann

 

 

Von Kant zu Kant

In unserer Kantvorlesung wollen wir heute den frühen vom späten Kant unterscheiden, wobei wir von ersterem wissen, daß er der köstlichere von beiden ist, besonders, seit es ihn als Brotaufstrich gibt!

Befassen wir uns mit dem frühen Kant, so müssen wir feststellen, daß er meist unausgeschlafen ist, in seinem zerknitterten und unrasierten Gesicht zeichnet sich deutlich ab, daß er einer Argumentation zu folgen offensichtlich noch nicht in der Lage ist. Sein Erscheinungsbild läßt meist darauf hindeuten, daß ihm eine schwere Nacht nach einem schweren Abend wohl noch immer zu schaffen macht und er für die ihm dargebotenen Kritikpunkte nicht das geringste Interesse aufbringen kann. Nach einer solchen Nacht ist er auch oft übel gelaunt und fährt sich häufig über sein stoppeliges Kinn, was man in seinen Werken mit den berüchtigten Fußnoten gleichsetzen kann. Dieses Verhalten setzt sich bis zum Mittagessen in einem fort, begleitet von ständigem Rauchen und, durch das Dasein als langjähriger Kettenraucher heraufbeschworen, ständigen Husten. Da er sein Frühstück noch nicht angerührt hat, ist der frühe Kant beim Mittagessen sehr hungrig und langt entsprechend zu.

Dahingegen ist der späte Kant meist schwer verständlich. Nach Abklingen seines Katers vom Vortage, einem kräftigen Mittagessen und einer halbherzigen Rasur hat er sich wieder dazu aufgerafft, ein weiteres Mal zu probieren, welche Kritik der Alkohol an der reinen Vernunft zu üben in der Lage ist, was, spätestens nach drei Flaschen Wein, zu argen Verständnisschwierigkeiten führen kann. Zwar ist er jetzt besser gelaunt, doch scheint sein Zustand durch den Zuspruch der geistigen Getränke in seiner Klarheit ein wenig eingeengt zu sein, doch, darauf angesprochen, winkt er nur ab und spendiert eine neue Lokalrunde.

So können wir festhalten, daß der späte Kant, im Gegensatz zum frühen, der ja meist mürrisch und gereizt wirkt, ein lustiger Geselle mit Sinn für die schönen Seiten des Lebens ist, wenn er sich dahingehend auch recht undeutlich ausdrückt. Ich danke Ihnen!

 

Dieser Text fand auch in "PeeWee’s Videodyssee" Verwendung.

 

© by Martin "PeeWee" Cordemann

 

 

Publikumskritik

In der ersten Hälfte des Stückes konnte man beim Publikum noch eine gewisse Nervosität feststellen, die erst mit Ankündigung der nahenden Pause in eine leicht gespannte Aufmerksamkeit umschlug. Nachdem das Publikum zu Beginn des Stückes sehr unkonzentriert war, konnte man eine allgemeine Zuwendung zu seiner Rolle als Betrachter erkennen, während allein die Raucher der Pause mit

Spannung entgegenfieberten. Im zweiten Akt, noch vor der Pause, endete dann auch das verhaltene Hüsteln der alten Dame in der ersten Reihe, die gleich im Anschluß an die Vorstellung zu einem Vorstellungsgespräch für die Wiener Philharmonie, Parkett, Reihe drei, Platz sieben, geladen wurde, ein Schicksal, dessen sich nur wenige der anwesenden Zuschauer rühmen konnten und das sie für ihre unleugbare Einzelleistung mehr als angemessen belohnte.

Nach der Pause hatte sich das Publikum dann langsam aufeinander eingespielt und auch das Timing der zur Toilette oder an die Bar gehenden Zuschauer, die es während der Pause nicht mehr geschafft hatten, war brillant aufeinander abgestimmt. Als aus der letzten Reihe ein lautes Nießen zu hören war, konterte ein Zuschauer aus dem Parkett mit einem Hustenstakkato, begleitet von seiner Frau, einer professionellen Asthmatikerin und schaffte somit ein hervorragendes Zwischenspiel, das sich in einem Creczendo von Hust- und Würggeräuschen, ja, sogar ein Rülpser war zu vernehmen, zu einem ungeahnten Zwischenhöhepunkt steigerte. Nach einer kurzen Unterbrechung wurde dann der Geniestreich der zischend geöffneten Bierdosen aus der dritten Reihe von klassisch knisternden Chipstüten aus Reihe zwei und sieben nicht nur eingekreist, sondern auch in seiner Absurdität entlarvt. Erst im Finale kam das Publikum in Hochform und zeigte, was in ihm steckte. Unkontrollierte Lach- und Chipssalven, unterstützt von herumsprühenden Sekt und lauthalsem Stühlerücken rundeten diesen Abend zu einem unwiderstehlichen Ereignis ab, zu dem man nur sagen kann: Bravo! Wann wird man je wieder ein solch hervorragendes Publikum erleben dürfen?

 

Dieser Text fand auch in "PeeWee’s Videodyssee" Verwendung.

 

© by Martin "PeeWee" Cordemann

 

 

Nur Liebe wäret ewiglich

Zuerst fielen ihm ihre Augen auf, hübsche braune Augen, die ganz hervorragend zu ihrem Abendkleid paßten. Ein Lächeln legte sich auf seine Lippen, ruhte sich eine Weile dort aus und verschwand dann wieder in Richtung Bar. Diese Augen, er mußte den Blick abwenden, nicht, weil sie ihm so unsympathisch waren, sondern weil er eine Kontaktlinse verloren hatte. Typisch, soetwas passierte ihm immer in solchen Momenten. Er blinzelte, blinzelte nocheinmal, dann hatte er sie wieder richtig drinnen, die Linse. Ein weiterer Blick in ihre Augen und er würde seinen Verstand verlieren, dachte er. Zum Glück hatte er ihn vor der Party an der Gaderobe deponiert, es bestand also kein Grund zur Sorge. Wollte er jetzt die ganze Zeit hier stehenbleiben und ihre Augen bewundern oder sollte er sie nicht langsam mal ansprechen? Er nahm sich vor, sie anzusprechen, also verließ er den Raum.

Natürlich war er feige, aber warum auch nicht? Immerhin hieß es ja, wer Glück im Spiel habe, habe kein Glück in der Liebe. Er war ein mieserabler Spieler. Andererseits war Liebe bei ihm ein Glücksspiel, warum also vor Freude strahlen? Sein Instinkt sagte ihm, es wäre nun an der Zeit, sie anzusprechen, sein Verstand sagte ihm, es wäre besser für ihn, lieber noch drei Whisky zu kippen und sich dann rausschmeißen zu lassen.

Nein! Was, nein? Ach so, heute würde er das Risiko eingehen, all seinen Mut zusammennehmen, ein leises Gebet sprechen, einen Baum pflanzen, Eier, Brot und Butter kaufen... Moment, das war die falsche Liste! Sein Blick schweifte durch den Raum. Sie war allein. Sehr gut, dies war der Moment. Der Moment. DER MOMENT! Ja. Ehrlich.

Ruhig schlenderte er auf sie zu, sie hob den Blick und sah ihn an. Ihre Augen waren phantastisch, beide. Sein Lächeln, das nun angesäuselt von der Bar zurückkam, breitete sich müde auf seinen Lippen aus und versuchte, so charmant wie möglich zu sein. Er desgleichen. Ihr hübscher Mund formte ebenfalls ein ausgewogenes Lächeln, es war nun an der Zeit, etwas zu sagen. Aber was? Wenn er fragen würde: "Möchten Sie noch etwas zu trinken?" würde sie ihn in seinem schwarzen Pinguinkostüm für einen der Kellner halten.

"Hallo", sagte er, weil es nahe lag.

"Hallo", sagte auch sie, weil sie ein höflicher Mensch war.

Nun blieb ihm kaum noch Zeit, sich zu überlegen, was er als nächstes hinzufügen konnte. "Tag!" zum Beispiel, aber das war nicht besonders klug. "Ähm", er lächelte verlegen, "sind Sie schon lange auf dieser Party?" war wirklich ein zu dummer Spruch. "Ich finde Sie sehr hübsch", war seiner Meinung nach eine Spur zu aufdringlich. Es wunderte ihn selbst, daß er es sagte.

Ihr Blick zeigte Überraschung, ihr Verlobter ebenfalls, dann wurde ihr Lächeln breiter.

"Danke", sagte sie. Mehr sagte sie nicht. Sie sah ihn so an, als wartete sie darauf, daß er etwas sagte, aber er sagte nichts, weil ihm nichts einfiel, was er sagen konnte.

"Ich bin Schriftsteller", meinte er, "Sie müssen also verzeihen, wenn ich Ihnen zu nahe trete." Das war nun wirklich einer der dümmsten Sprüche, die man sich einfallen lassen konnte.

"Oh, das ist aber nett", sagte sie. Allerdings war er der Ansicht, daß dieser Spruch auch nicht viel besser war, sagte aber nichts. Sein Lächeln schien der Ansicht zu sein, im Moment nicht mehr gebraucht zu werden und schlenderte wieder zurück zur Bar. Ihr Lächeln folgte ihm. An der Bar kamen die beiden ins Gespräch und beschlossen, zu heiraten. Sie bekamen drei Schmunzeln.

Inzwischen hatten die beiden nunmehr lächellosen das Thema gewechselt. Nachdem sie zuerst nicht über Kernforschung gesprochen hatten, dann das Thema AIDS mit keinem Wort berührt hatten, gingen sie nun dazu über, die Liebe nicht in ihr Gespräch einzubeziehen, das sie nicht führten.

"Sie sind also Schriftsteller?" fragte sie, nachdem sie gesehen hatte, daß ihr Lächeln mit dem seinen die Party verlassen hatte. Wahrscheinlich war sie Gymnasiastin gewesen und hatte ihre guten Noten mit der Wiederholung von eben aufgestellten Tatsachen verdient.

"Ja."

"Was schreiben Sie denn so?"

"Oh", er lächelte, "Kurzgeschichten, Gedichte, fast alles eigentlich."

"Auch über die Liebe?"

Sie lächelte, sie hatte sich das Lächeln von einem vorbeikommenden Kellner geborgt, der kurz darauf entlassen wurde.

"Nein", ohne Mühe ergatterte er das Lächeln einer Dame, die ohnehin als Griesgram bekannt war und es seit der spanischen Inquisition nicht mehr benutzt hatte, weswegen es ein wenig aus der Übung war. Da ihrer beider Lächeln geschlechterdings etwas seltsam verdreht aussah, tauschten sie schnell und setzten dann die Unterhaltung fort.

"Das ist aber schade", sagte sie, "Warum denn nicht?"

"Wissen Sie, mir fehlt da das nötige Hintergrundwissen!"

"Und Sie sind hier, um es sich anzueignen?" Er schluckte. "Das find' ich süß." Er sah sie mißtrauisch an. Dann war die Seite fast zu Ende. Naja, ein paar Zeilen hatte er noch vor sich, wie er sich eingestehen mußte.

"Wirklich?" Sie nickte, erst langsam, dann ein. Als sie wieder erwachte, blickte sie ihm tief in die Augen, er ihr ebenfalls und sein Lächeln wieder mal in ein Glas. "Sie sind das attraktivste Mädchen, das ich kenne", sagte er, ohne dabei rot zu werden, was er schon vorher geworden war, so daß kein Handlungsbedarf mehr bestand.

"Wirklich?" Naja, sie war unter den ersten 10! Er nickte, brachte aber nicht den gleichen Gag von oben ein zweites Mal, dafür verschwand sein altes Lächeln auf nimmerwiedersehen. "Sie sind süß!" sagte sie. "Finden Sie es hier auch so laut?"

"Ja."

"Wollen wir nicht rausgehen?"

Er strahlte, Tschernobyl lag lange zurück. Es war kaum zu glauben, aber er hatte es geschafft. Na, ist das kein Happy End? Sie gingen also nach draußen und stellten fest, daß sie sich sehr sehr sehr mochten. Später erfuhren sie dann auch ihre Namen, aber wir wollen nicht vorweggreifen. Während ihres doch noch aufkommenden Gesprächs stellten sie fest, daß sie sich sehr, aber das habe ich ja schon gesagt. Nun, sie sprachen miteinander, lachten miteinander, weinten miteinander, heirateten (mit)einander, zeugten miteinander Kinder und Haustiere, liebten einander. Sie liebten sich, das wollten Sie doch hören, oder? Ja, sie liebten sich. Sie liebten sich, wie sich zwei Menschen lieben, die sich lieben, wenn sie sich lieben. Und sie werden sich lieben, bis sie geschieden werden, lassen wir den Tod mal aus dem Spiel. Ist das ein Ende oder ist das ein Ende? Tja, Zeit, nach Hause zu gehen und der traurigen Wirklichkeit ins Auge zu sehen. Bitte? Was aus aus seinem alten Lächeln geworden ist? Es hat einen neuen Job gefunden. Sie kennen doch Jack Nicholson, oder?

 

© by Martin "PeeWee" Cordemann

Fensterblicke?

Vor ihm befand sich das Fenster. Es war leicht geöffnet, damit etwas Luft hereinkommen konnte, in sein Zimmer, immerhin war Sommer, und er saß vor dem Fenster an seinem Schreibtisch. Von draußen konnte er die Vögel hören, wie sie ihre Lieder sangen; die Kinder, wie sie in den Gärten und auf der Straße spielten; die Wagen, die auf den Straßen fuhren; das Klingeln der Fahrräder; das Schreien der Fußballspieler; das leise Wehen des Windes; das Rauschen der Blätter; das Spielen der Musik aus irgendeinem Radio; das Kreischen der Mädchen; das Brüllen der Jungen; das Rangieren der Züge; das Läuten der Glocken; das Rufen der Eltern, die ihre Kinder zum Abendessen hereinriefen.

Seine Mutter trat hinter ihn, sah ihm über die Schulter und lächelte. Sie fragte ihn, ob alles in Ordnung sei, ob er nicht lieber nach draußen wollte, doch er meinte, er wollte lieber noch ein bißchen hier am Fenster sitzen bleiben. Sie sah hinaus und sah den blauen Himmel, an dem schon Wolken aufzogen, noch waren es helle, weiße Wolken, doch für den Abend hatte man Regen angekündigt; die Vögel, die sich in der noch kaum getrübten Bläue des Himmels tummelten, hinabstießen oder in großen Gemeinschaften in einer Richtung flogen; die Kinder in ihren bunten und sicher inzwischen dreckbeschmutzten Kleidern, die durch die Gärten liefen; die für Kinder viel zu riesigen Autos, die für Kinder viel zu schnell durch die Straßen fuhren; die grellfarbigen Fahrräder, die es noch immer knapp vor den Autos schafften, die Straßen zu verlassen; die Fußballspieler, deren Kleidung man nur nach mehreren Waschgängen würde wieder einigermaßen in Schuß bringen können; die grünen Sträucher und Bäume; die kreischenden Mädchen und die brüllenden Jungen; die Kirchtürme und die Eltern, die ihren Kindern noch genug Aufmerksamkeit schenkten, sie zum Essen zu hereinzurufen. Zärtlich klopfte sie ihm auf die Schulter und war froh, daß er nicht nach draußen wollte, in diese immer mehr an Gefühl verlierende Welt, daß er hier drinnen blieb und lernte.

Er saß noch lange am Fenster und ließ sich die Sonne warm auf sein Gesicht scheinen, während er geduldig die Blindenschrift lernte.

 

© by Martin "PeeWee" Cordemann

 

 

Wer Sucht Der Findet

'Wer sucht der findet' lautet eine der deutschen Allerweltsweißheiten, die man immer in den unpassendsten Augenblicken und dann auch stets völlig nichtssagend und in keiner Weise weiterhelfend zu hören bekommt, wobei ich ziemlich sicher bin, daß niemand dann auch die Quelle des Zitierten nennen könnte. Daß dieses Sprichwort allerdings völlig zutreffend ist, bewies uns unser guter alter Freund Georg, von dem Sie zwar noch nie etwas gehört haben mögen, der aber in Fachkreisen zu einer Art fest-stehendem Begriff geworden ist. Bei Georg lief im Leben eigentlich alles ganz gut, bis er nach seinem ersten richtigen Besäufnis mit leider sehr schlechtem Whisky, den er auch noch mit Cola verdünte, was bei Whisky ohnehin Frevel ist, mochte er so schlecht sein wie er wollte, mit schmerzendem Kopf erwachte und sich das einfach nicht erklären konnte, da er in seinem Leben noch nie Kopfschmerzen gehabt hatte, was an sich schon ein Fall für die Pathologie gewesen wäre. Menschlich wie er nuneinmal war, griff Georg zu dem einzigen Mittel, das er sich ausmalen konnte: Gift? Nein, äh, Kopfschmerztabletten, also die, von denen die Schmerzen weggingen, nicht die anderen. Und siehe da - sie wirkten. Das war ihm eine Lehre!

Von jetzt an nahm Georg die Kopfschmerztabletten schon mit dem letzten Glas Whisky, der er noch immer verdünnt mit Cola und Eis trank und fühlte sich am nächsten Tag nicht so schlecht wie beim ersten Mal. Dann begann die Zeit, in der Georg Probleme hatte, weil er nicht einschlafen konnte. Er probierte Schlaftabletten. Un siehe da - sie wirkten! Dann kam die Zeit, in der Georg morgens nicht mehr richtig wach wurde. Er probierte Aufputschmittel. Und siehe da - sie wirkten! Dann kam die Zeit, in der Georg keinen Hunger hatte, in der er großen Durst hatte, in der er Verdauungsprobleme hatte, in der er keine lauten Geräusche hören konnte, in der er großen Hunger hatte, in der er sich keine Unterhaltungssendungen von übernommenen DDR-Entertainern ansehen konnte, in der er keinen Durst hatte, in der ihm der Begriff 'Quadratwurzel' überhauptnicht zusagte, in der er das Verlangen verspürte, mit heruntergelassener Hose durch die Fußgängerzone zu laufen und dabei 'My Way' zu singen, in der er einen unerklärlichen Haß auf die Farbe von Lachsbrötchen empfand, in der er Selbstmord begehen wollte. Und für alles gab es ein Mittel. Und siehe da - sie wirkten!

Was aus Georg geworden ist? Was er durch seine Sucht gefunden hat? Nun, er war nicht mehr in der Lage, Selbstmord zu begehen, da er irgendwann für alles was er tun wollte ein Mittel einnehmen mußte, nur trieb er es so weit, daß ihm am Ende das Mittel fehlte, um ein Mittel einzunehmen!

 

© by Martin "PeeWee" Cordemann 1992

 

 


Ein Wort des Verfassers

Na, hat Ihnen gefallen, was Sie gelesen haben? Wenn Ihre Antwort "Nein, du Arsch, ich finde es ausgesprochen impertinent, daß du mich gezwungen hast, meine kostbare Zeit mit diesem Mist zu vergeuden!" lautet, dann drücken Sie bitte die Selbstmord-Funktion. Falls Sie aber doch Interesse an diesen Geschichten gefunden haben, nehmen Sie bitte per E-Mail, Telefon, Fax, Buschtrommel oder Lasertransformationsgenerator Kontakt mit mir auf und ich teile Ihnen mit, was die Zukunft für Sie bereit hält. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen schon jetzt ein frohes neues Jahr und alles... was dazugehört!

PeeWee